Gedanken zur West-Ostkonfrontation

In dem Aufsatz Brücken und Gräben Teil 3 haben wir gegen Schluss den Satz geschrieben, dass es die Idee einer europäischen Erhebung gegen Russland gibt. Diese Idee ist von Napoleon geformt worden, Hitler hat diesen Gedanken übernommen und ihm als „Europäischer Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ ein neues Gesicht gegeben, das sich dann in einem „Neuen Europa“ widerspiegeln sollte – zumindest laut Propaganda. Auch wenn dann die tatsächliche Politik des NS-Regimes diesen Gedanken nicht wirklich unterstützt hat, so war der Krieg gegen die Sowjetunion nicht allein Hitlers Krieg. Es war ein deutscher Krieg und ansatzweise auch ein europäischer Krieg gegen Moskau. Hätte die NS-Politik den Gedanken der europäischen Erhebung tatsächlich und stringenter verfolgt, wäre die Lage in Europa schlussendlich wahrscheinlich eine andere gewesen. Die Mächtigen scheitern eben wie so oft an ihrem eigenen Machtanspruch.

Der Autor fügte dabei in Brücken und Gräben Teil 3 noch hinzu, dass diese Idee der europäischen Erhebung– trotz ihrer katastrophalen Niederlagen – in Nischen überlebt habe. Was ist mit diesen Nischen gemeint? Vor allem und nach dem Krieg, Exilanten und rechtsradikale Kräfte aus dem Osten, die diese Idee weiterhin pflegten, aber auch die eine oder andere Ecke in den Gehirnen kalter Krieger, die womöglich gerade wieder beim Aufwärmen sind. Zudem ist zu Bedenken, dass diese Idee der europäischen Erhebung gegen Moskau jeweils Ausfluss von bestimmtem Formen europäischer Einigung gewesen ist. Und zum Dritten haben wir uns damit unausgesprochen auf zwei Ausläufer dieser Idee bezogen, die die längste Zeit im Westen praktisch unbekannt waren, sich inzwischen aber langsam auch einen Weg in die westliche Wahrnehmung gebahnt haben. Es geht um die beiden innersowjetischen militärischen Aufstandsbewegungen gegen Moskau im Baltikum einerseits und in der Westukraine andererseits. Diese beiden Widerstandsbewegungen hatten einen sehr unterschiedlichen Charakter, sind aber ohne diese Idee der europäischen Erhebung gegen Russland nicht wirklich zu verstehen.

Als der litauische Widerstand im Zweiten Weltkrieg mit der Niederlage Nazi-Deutschlands in Litauen in den Untergrund ging, um die wieder über das Land hereinbrechende Sowjetherrschaft zu bekämpfen, basierte das sehr grundlegend auf der Idee, dass man die Vorhut für den Kampf des Westens gegen die Sowjetunion darstelle. Die Vorstellung dieser litauischen Partisanenbewegung war, dass sich der Westen geschlossen gegen die Sowjetunion erheben werde, und zwar in einer zeitnahen Dimension, um gleichsam den Partisanen folgend, der Herrschaft Moskaus ein Ende setzen werde. In der Logik des Machtkampfes zwischen West und Ost war der Gedanke eigentlich gar nicht abwegig, blieb aber schlussendlich doch unrealistisch.

An dem Punkt muss man sich noch einmal kurz die unterschiedlichen Zeitdimensionen der Konflikte in Erinnerung rufen: der Zweite Weltkrieg ist in der litauischen Haupstadt Vilnius im Juli 1944 zu Ende gegangen, bzw. in Litauen in den Folgewochen und -monaten des Jahres 1944. Die litauische Partisanenbewegung bildete sich spontan, unmittelbar in der Übergangszeit zwischen deutscher und sowjetischer Herrschaft. Es war durchaus ein ambitioniertes Ziel der litauischen Kämpfer so lange durchzuhalten, bis sich eine antisowjetische Koalition – gegebenenfalls auch im Bündnis mit den Nazis – gegen Moskau erheben werde. Das heißt, während noch die Rote Armee gegen Berlin marschierte, kämpften gleichzeitig die aufständischen Teile der baltischen bzw. westukrainischen Bevölkerung einen Krieg gegen Moskaus Truppen.

Der Abzug der Deutschen aus Litauen, der zunächst als ein umfassendes Leerräumen des Landes gedacht gewesen wäre, wirkte wie eine Saugglocke, in deren Sog zahlreiche Litauer ihre Heimat verließen und gegen Westen zogen. Viele dieser Flüchtenden landeten schließlich in der USA, in Kanada und teilweise in Südamerika, nicht wenige verblieben aber auch in Deutschland. Auf diese Weise bildete sich in Baden-Württemberg eine litauische Exilvertretung. Diese Gruppe schickte alsbald in Kooperation mit dem britischen Geheimdienst einen Vertreter nach Litauen, der mit dem litauischen Widerstand Kontakt aufnehmen sollte, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Gleichzeitig versuchte dieser Abgesandte die Botschaft zu übermitteln, dass es keine Erhebung des Westens gegen die Sowjetunion geben werde und somit die litauischen Kämpfer alleine bleiben werden, was aber in den Köpfen der Partisanen nicht ankam. Man wollte es einfach nicht wahrhaben. Das hätte nämlich den Aufstand sinnlos gemacht. Auch das mit dem Aufstand verbundene Selbstbild, geriet durch diese Botschaft ins Wanken. Damit nicht genug, stellte sich auch langsam heraus, dass die direkte Unterstützung der Partisanen durch westliche Geheimdienste kein strategisch wirksames Ausmaß erreichen werde. Die Litauer blieben also mehr oder weniger auf sich selbst gestellt. So wurde spätestens im Frühjahr 1947 klar, dass der Aufstand nicht mehr zu gewinnen war.

In diesem Frühjahr 1947 dachten litauische Exilvertreter auf einer vom britischen Geheimdienst organisierten Konferenz in Osnabrück noch einmal darüber nach, wie es in ihrer Heimat weitergehen sollte. In der Folge formulierte der oberste Diplomat eines freien Litauens im Ausland eine dann von Kurieren ins Land geschmuggelte Botschaft an die kämpfenden Brüder: Der Westen werde keinen Krieg gegen die Sowjetunion führen, hieß es da, schon gar nicht wegen der baltischen Staaten. Daraus sei zu schlussfolgern, dass man Ressourcen sparen, Opfer im bewaffneten Kampf vermeiden und keinen Anlass dazu geben sollte, dass die Sowjets weitere Deportationen durchführen würden, „and so on….“. Die Opfer und nationalen Verluste, die mit dem Kampf einhergingen, würden in keinem Verhältnis zu den Fortschritten stehen, die man durch diesen Kampf im Eintreten für ein freies Litauens erreichen könne.

Da facto war das eine Absage an die Fortführung des bewaffneten Kampfes, doch die Partisanen fühlten sich nach Erhalt dieser Botschaft missverstanden und machten weiter. Die litauische Aufstandsbewegung erfuhr damit das Schicksal so manch anderer Aufstandsbewegungen, nämlich, zunehmend zu einem Selbstzweck zu werden. Der Kampf bekam solcherart von beiden Seiten eine Brutalisierungs-Dynamik und führte schließlich dazu, dass tiefe Wunden in die litauische Gesellschaft eingekerbt worden sind, die sich nicht mehr so einfach ausbügeln lassen.

Die Sowjets legten den Aufstand – abgesehen von der direkten militärischen Konfrontation – mit einer Doppeltaktik lahm: einerseits deportierten sie große Teile der Landbevölkerung, ohne deren stillschweigender Unterstützung die Partisanen nicht auskommen konnten und andererseits infiltrierten sie die Kampf-, Befehls- und Kommunikationsstrukturen der Partisanen so erfolgreich, dass der Aufstand schließlich von innen heraus zusammenbrach. Im wesentlichen war der Kampf 1948 verloren und 1953 beendet, aber man kann auch das Jahr 1956 als Ende annehmen, als der letzte Partisanenoberkommandeur in die Hände seiner Verfolger fiel. Einzelne Partisanen hielten sich noch bis in die 60er Jahre hinein.

An diesem Punkt könnte man diese Episode gleichsam abhaken, wenn da nicht die Frage wäre, welche Bedeutung denn Geschichte für die Gegenwart bekommt. Und die Bedeutung in diesem Fall entwickelt, wenn man so will, spezielle, auch europäische Dimensionen. Um das zu verstehen, sollten wir uns zunächst einmal klar machen, dass es eine sog. Atomkriegsuhr gibt, die unsere zeitliche Nähe bis zum Ausbruch eines atomaren Konfliktes (meist zwischen West und Ost) anzeigt. Diese Uhr ist fiktiv, sie hat kein Uhrwerk, das sie antreibt, die Zeiger werden von einschlägigen Experten je nach Einschätzung der Weltlage gestellt. Im Moment stehen wir etwas mehr als zwei Minuten vor 12 vor dem Ausbruch eines Atomkrieges. Da muss man sagen: das war schon mal besser. In der Hochphase des geopolitischen Tauwetters während Gorbatschows Amtszeit standen die Zeiger auf 17 Minuten vor 12. Da konnte man sich entspannt zurücklehnen. Und jetzt?

Die Zeit wird also knapp. Man würde meinen, dass der Westen in dieser Situation dringenden Bedarf hätte, mitzuhelfen, die Zeiger der Uhr wieder etwas zurückzudrehen, doch davon ist nichts zu merken. Dafür aber den derzeitigen amerikanischen Präsidenten Trump verantwortlich zu machen, trifft kaum ins Schwarze. Ein Beispiel: Kurz nach Amtsantritt des Präsidenten Anfang 2017 fand die Münchner Sicherheitskonferenz statt und unsere Medien vermittelten uns engagiert, wie tapfer dabei die anwesenden westlichen Politiker und Diplomaten gegen das gefährliche Russland kämpfen. Aber genau während diese Sicherheitskonferenz lief, fuhr Trump in die amerikanische Provinz, um dort eine Rede zu halten. Dabei brachte er das West-Ost Verhältnis auf einen so simplen wie ergreifenden Nenner: Wir sollten uns mit Russland verständigen, sagte Trump sinngemäß, weil wir haben Atomwaffen und die haben auch Atomwaffen und wenn es zu einem Konflikt kommt, wird das nicht gut ausgehen.

Trump scheint solcher Realismus zu Hause möglicherweise schon als „Wehrkraftzersetzung“ angerechnet worden zu sein und nach der schnellen Demontage seines ersten, im Rufe der Russland-Freundlichkeit stehenden Sicherheitsberaters Flynn, ist klar geworden, dass Trump mit solch realistischer Linie kaum durchkommen wird. Da kam natürlich die kurz vor den Midterm-Wahlen im November 2018 gemachte Ankündigung, aus dem INF-Vertrag über „atomare Mittelstreckensysteme“ (Raketen) aussteigen zu wollen, für Trump ideal, um sich als linientreuer Anti-Russland-Fighter präsentieren zu können. Allerdings, die Hauptstoßrichtung der USA bei der Aufkündigung des INF-Vertrags richtet sich nicht gegen Russland, sondern gegen China, das solche Mittelstreckenraketen verwenden darf, weil es kein INF-Vertragspartner ist. Die USA fühlen sich dadurch in der Verfolgung ihrer Interessen am Zukunftsschauplatz Südostasien/Pazifik eingeschränkt. Das ist so zu verstehen: China hält sich mit diesen Raketen jene Kräfte vom Leib, die ihnen sonst zu nahe kommen könnten. China sieht also diese Raketen als Rückversicherung für seine territoriale Unversehrtheit. Dementsprechend sind bisherige Versuche, China und andere in den Vertrag einzubeziehen, gescheitert. Daher gibt es auch kaum Hoffnung, dass es noch einmal zu einer Neuverhandlung des INF-Vertrages kommen könnte. Es läuft auf den vollständigen Ausstieg hinaus. Auch das noch gültige New-Start-Abkommen zwischen Russland und den USA, so zeichnen sich jetzt die Linien am US-Horizont ab, soll wohl nicht mehr verlängert werden und auslaufen. Damit wäre das ganze Abrüstungsregime das man seit den siebziger Jahren, aber vor allem in den Achtziger Jahre mühsam auf die Beine gestellt hat, zerbrochen.

Die Aufkündigung des INF-Vertrages bringt die Weltlage in Bewegung und das könnte sich für die USA letztendlich als Bummerang erweisen. Mit einem Schlag ist den Europäern, also den Menschen, die in Europa leben, der verdrängte Umstand wieder ins Bewusstsein getreten, dass doch Europa, vor allem Zentraleuropa, Hauptkriegsschauplatz einer Auseinandersetzung zwischen West und Ost sein würde. Da muss dann der Spruch der Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ umgedeutet werden: Die Schwerter, gemeint sind also die Raketen, werden von der „Maas bis an die Memel“ alles umpflügen. Die Bewohner dieser Gebiete haben dann zumindest die Gewissheit, als Humus für zukünftige Siedler zu dienen. Das ist doch eine beruhigende Aussicht.

Jede Aktion hat auch eine Reaktion und deshalb wird die INF-Austrittsentscheidung der USA in Europa stillschweigend Entwicklungen auslösen. Diese Aktion trifft auf einen Bewusstseinswandel, der in den letzten Jahren zunehmend zu beobachten ist und der von Politik und eingesessenen Medien bisher nicht verstanden worden ist. Autoritäten werden nicht mehr automatisch akzeptiert, man sieht sich selbst verantwortlich und verlangt tatsächliche Information und eine stärkere Teilhabe an Entscheidungsprozessen. Man bringt sich selbst ein und zwar gegebenenfalls auch unabhängig vom bzw. gegen den Willen der Autoritäten. Diese Selbstermächtigung der Menschen wird durch die Ausstiegsentscheidung der USA weiter befördert werden, insbesondere sollten die USA auf die Idee kommen, tatsächlich wieder atomare Mittelstreckenraketen in Deutschland aufzustellen.

Wenige Tage nach der Ankündigung zur Aufkündigung stand Trumps Sicherheitsberater John Bolton bereits in Moskau und klopfte an die Tore des Kremls. Kremlherr Putin empfing ihn mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und guter Laune und angesichts des Rückzugs der USA aus den Abrüstungsabkommen und der damit in Gang gesetzten Rüstungsspirale fragte er Bolton mit ironischem Lächeln folgendes: so weit er sich erinnern könne, habe die USA einen Adler im Wappen, der in der einen Klaue dreizehn Pfeile halte und in der anderen einen Olivenzweig als Zeichen einer friedlichen Politik, mit dreizehn Oliven daran. Es stelle sich nun die Frage, sagte Putin, hat der Adler alle Oliven schon gegessen und sind nur mehr die Pfeile übrig?

Bolton lachte darauf hin kurz auf und seine bis dahin unbeweglich dasitzende Entourage konnte sich zumindest ein Lächeln abringen. Auch Putins ernst dreinschauende Mitverhandler verzogen ihre Mundwinkel, mit dem Ausdruck einer gewissen Genugtuung, langsam nach oben. Er möchte, steckte Putin dann das Verhandlungsfeld ab, mit Bolton nicht nur als Berater des Präsidenten der USA sprechen, sondern auch als Experten auf dem Gebiet der Abrüstung und Rüstungskontrolle. Bolton antwortete darauf ausweichend: trotz der Differenzen, die zwischen den beiden Ländern aufgrund der unterschiedlichen Interessen bestehen, sagte er, sei es wichtig, auf Gebieten miteinander zu arbeiten, auf denen eine zukünftige Kooperation möglich sei. Und außerdem: er, Bolton, bringe zwar keine Oliven mit, aber der Adler halte den Olivenzweig in der rechten Klaue, was dessen Prioritäten anzeige…  Offenbar ist der US-A-dler Rechtshänder. Die Stimmung zwischen den Delegationen lockerte sich dann, kurz lachte man gemeinsam. Danach schlossen sich für die Öffentlichkeit die Türen des Verhandlungssaales.

Was die Russen trotz der schlechten Nachricht an Boltons Aufenthalt in Moskau geschätzt haben, ist, dass sich Bolton tatsächlich, wie kaum ein anderer zuvor, um einen intensiven Austausch mit der politischen Spitze in Russland bemüht hat. Was dabei herausgekommen ist, ist fraglich, immerhin stimmten beiden Seiten darin überein, dass der kommende Aufrüstungsprozess transparent stattfinden müsse. Lawrov meinte außerdem: Russland werde nicht den Fehler begehen, dass man sich, wie gegen Ende der Sowjetunion, zu Tode rüsten lassen werde, sondern man werde sich nach kostengünstigeren Alternativen umsehen. Wenn man jetzt wirklich sehr optimistisch gestimmt sein möchte, kann man darauf hoffen, dass sich aus der Aufkündigung der Abrüstungsverträge, eine neue positive Dynamik ergibt: Möglicherweise wird man sich dann derart bewusst, wie heikel die Weltlage geworden ist, dass die Realisten sich gegenüber den Ideologen durchsetzen können und daher einen intensiveren Austausch suchen, als wenn man sich auf die scheinbare Sicherheit der Abrüstungsverträge verlassen kann. Eine Realität des bestehenden Szenarios hat Russlands Präsident Putin auf dem jüngsten Waldai-Forum in Sotschi beschrieben: Russland besitze ein System, sagte er, mit dem überall auf der Welt Starts strategischer Raketen registriert werden können. Das System berechne dann die Flugbahn der gestarteten Rakete und wenn es zu dem Schluss komme, dass die Rakete auf das Territorium Russlands zusteuere, dann werde ein Gegenangriff ausgelöst. Atomar versteht sich. Das Procedere dauere nur wenige Sekunden. Die russische Rakete werde also starten, während die feindliche Rakete ihr Ziel noch lange nicht erreicht habe.

Wir Normalsterbliche hoffen natürlich darauf, dass diese Technik tatsächlich auch so funktioniert, wie vorgesehen… Immerhin, Putin versprach, man werde das System verbessern.

Trumps oben angesprochener Realismus gegenüber Russland wird zusätzlich begrenzt durch den Umstand, dass er seine Wahl zum Präsidenten nicht unwesentlich jenen bibelfesten Kreisen in seinem Heimatland zu verdanken hat, denen die „sorgenfreie“ Existenz Israels besonders am Herzen liegt, wobei die Gegnerschaft zum Iran gleich mitgedacht wird. Das trifft sich mit grundlegenderen US-Interessen:  Der Iran spielt natürlich als Regionalmacht im Machtpoker im vorderen Orient eine zentrale Rolle, aber der auf ihn in Aussicht gestellte militärische Angriff oder zumindest Regimechange hat in letzter Konsequenz auch eine, im wahrsten Sinne des Wortes, viel weiter reichende Bedeutung: Mit der Niederringung des Iran eröffnet sich der Zugriff auf die Kaspische Region, das heißt auf den Kaukasus einerseits und insbesondere auf die zentralasiatischen Republiken andererseits, beides früher einmal sowjetisches Gebiet. Dort liegen die Interessen mächtiger Spieler, namentlich Russlands und Chinas (und Kasachstans), die man damit herausfordern kann. Insbesondere ergibt sich so die Möglichkeit, in Chinas geopolitisches Großprojekt der Neuen Seidenstraße einzugreifen. Gleichzeitig könnte man aber auch eine Annäherung Georgiens an China und Russland nicht zuletzt im Rahmen der Neuen Seidenstraße verhindern. In Georgien wachsen offenbar gerade Zweifel, was eine kritiklose Anbindung an den Westen angeht.

Einem Angriff auf den Iran würden daher Russland und China – vor allem im Vorfeld – kaum tatenlos zusehen. So sehr der Iran-Konflikt Weltkriegspotential besitzt, Russland hat auch den Weg eingeschlagen, sich unter keinen Umständen provozieren zu lassen. In Moskau setzt man auf den langen Atem, den Russland in seiner Geschichte schon so oft bewiesen hat: man weiß, wenn man durchhält, sitzt man auf dem längeren Ast und das gibt Hoffnung. „Wir drängen unsere Freundschaft niemanden auf“, sagt Außenminister Lawrov.    Der mögliche Versuch Trumps mit Russland ein ordentliches Verhältnis zu pflegen, ist mit einer Eskalation gegen den Iran kaum zu vereinbaren. Trump ist das natürlich bewusst. Andere haben allerdings keine solchen Bedenken. Soll daher ein gegenüber dem Iran forsch auftretender US-Präsident den Versuch darstellen, den Konflikt derart noch in „zivilisatorischen“ Grenzen zu halten? Außerdem: was die zentralasiatische Region angeht, gäbe es noch andere, „inoffizielle“ Möglichkeiten, diese Gebiete von Seitens des Westens unter Spannung zu halten…

Angesichts dieser beeindruckenden Weltlage müsste man sich eigentlich in der Europäischen Union fragen, was für eine Rolle man selbst in diesem Spiel einnehmen möchte. Die Europäische Union befindet sich auf der Fahrt auf‘ s Abstellgleis. Es wäre also nicht schlecht, wenn man die Fahrtrichtung wieder ändert. Doch untergehende Kulturen tendieren dazu, in dem Moment, in dem die Krise offensichtlich wird, die Verhaltensweisen, die die diese Kulturen bis dahin groß gemacht haben, umso stärker anzuwenden – und dadurch die Talfahrt noch mehr zu beschleunigen. Was also Not tut, ist nicht, das scheinbar Bewährte zu verbessern, sondern ein Neudenken. „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, sagt der Zitatespender Albert Einstein. Wenn das EU-Führungspersonal glaubt, man müsse einfach die herkömmlichen Machtspielchen besser (mit)spielen, wird nicht viel daraus werden. In diesen Machtspielchen sind andere versierter und vor allem: diese Spielchen laugen sich aus. Neues geht anders. Das einzige was es braucht, ist, das Denken zu ändern. Alles andere ergibt sich daraus von selbst. Die Europäische Union wird nur dann ihre Position in der Welt halten können, wenn sie gesellschaftliche und politische Kultur, sowie internationale Beziehungen neu denken kann. Sonst könnte bald mal Schluss sein.

Die Frage ist natürlich, wie und wo man da ansetzen kann. Da es in diesem Aufsatz um die West-Ost Beziehungen geht, ist hier der naheliegende Ansatzpunkt zu einem neuen Denken natürlich unser Verhältnis zu Russland. Die Sache liegt ganz einfach: Aus dem europäischen Blickwinkel ist Russland in mancher Hinsicht eine Brücke. Wenn man versucht, diese Brücke zu zerstören oder ihre Tragkraft zu schwächen, kommt man nicht mehr drüber. Die Zukunftsfähigkeit der EU wird ganz wesentlich davon abhängen, ob es den Europäern gelingt, diese Brücke zu beschreiten.

In dieser Hinsicht gibt es – neben Österreich und Griechenland – ein Land, das geradezu prädestiniert erscheinen würde, hier einen Vorreiter in der EU zu spielen, sodass Papst Franziskus I. im September 2018 seinen Fuß auf den Boden dieses Landes setzte und sprach: „„…Schauen wir auf die Welt, in der wir leben, in der die Stimmen, die Spaltung und Konfrontation säen, immer lauter werden – dabei werden die Unsicherheit und die Konflikte oft instrumentalisiert – oder die behaupten, dass die einzige Möglichkeit, die Sicherheit und den Fortbestand einer Kultur zu gewährleisten, darin besteht, zu versuchen, andere Kulturen zu beseitigen, auszulöschen oder wegzudrängen. Ihr Litauer habt hier einen eigenen Ausdruck beizusteuern: „den Unterschieden Raum geben“. Durch Dialog, Offenheit und Verständnis können diese Differenzen zu einer Brücke der Einheit zwischen Ost- und Westeuropa werden. Dies kann die Frucht einer gereiften historischen Entwicklung sein, die Sie als Volk der internationalen Gemeinschaft und insbesondere der Europäischen Union anbieten…““ (zitiert nach Vatikan-News).

Gut gesagt, Pontifex! Der römische Brückenbauer muss es quasi von Amts wegen wissen. Was er hier offenbar sagen möchte, ist, dass Litauen durch einen konstruktiven Umgang mit seiner Geschichte und seiner Kultur – das heißt, seinen vielen verschiedenartigen Kulturen, die in dem kleinen Land Platz gefunden haben – eine Wirkung erzielt, die weit über das eigene Land hinausgeht und so eine internationale Ausstrahlungskraft bekommt, die für den europäischen Kontinent insgesamt heilsam wäre, insbesondere auch im Konflikt zwischen West- und Osteuropa. Litauen ist historisch gesehen ein kulturelles Verbindungsglied zwischen West-, Mittel- und Osteuropa und könnte durch eine Besinnung auf diese wichtige Rolle einiges zur Stabilisierung des Kontinents leisten.

Sehen das das litauische Volk, das offizielle Litauen und seine Präsidentin Dalia Grybauskaite, denen Papst Franziskus diese Worte in Vilnius ins Stammbuch geschrieben, bzw. gesprochen hat, genau so? Kann das offizielle Litauen mit solchen Worten überhaupt etwas anfangen? Grybauskaite sprach in ihrer Rede zum Papstempfang vom Glauben, der die Menschen die Drangsal der Vergangenheit überstehen hat lassen. Allerdings fragt man sich da, ist Glaube nicht eher ein Phänomen des Jetzt als der Vergangenheit? Versteht man in Litauen Glaube nicht nur als Basis des Widerstands und Überlebens in der Vergangenheit, sondern auch als etwas, womit sich Zukunft aktiv gestalten lässt?

In diesem Zusammenhang sollten wir einen kleinen Ausflug in die Architekturgeschichte von Vilnius und Umgebung machen: Wenn man mittel-osteuropäische Geschichte zwar nicht gerade auf den Punkt, aber doch zumindest auf einen Satz bringen möchte, so ließe sich das Geschehen so zusammenfassen: Es gab einen Machtkampf zwischen dem Doppelstaat Polen-Litauen als alte Ordungsmacht auf der einen Seite, sowie dem Aufsteiger Russland auf der anderen Seite und Polen-Litauen hat diesen Kampf verloren.  Das ist klarerweise eine leicht verkürzte Zusammenfassung, aber es empfiehlt sich, die Lage so nüchtern zu betrachten. Es hätte auch umgekehrt kommen können. Wir haben in den Aufsätzen Brücken und Gräben Teil 3 sowie die Muttergottes und der Osten bereits auf wesentliche Elemente dieses Machtkampfs hingewiesen. Der zentrale Punkt an dem sich die Verhältnisse zwischen den beiden Machtkonkurrenten zu drehen begonnen haben, war allerdings eine massive militärische Auseinandersetzung Mitte des 17. Jahrhunderts – wir haben sie in unserem Aufsatz Blut (und Erde…) bereits kurz erwähnt. Obwohl diese Auseinandersetzung für Russland keineswegs das brachte, was sich der Zar zunächst von ihr erhofft hatte, kam es dabei zu der Gründung einer ersten Staatlichkeit in der Ukraine, genauer: in der Ostukraine, durch die Kosaken – bei der Russland Gevatter gestanden hat, mit der unausgesprochenen Absicht, sich das Gebiet langsam aber sicher selbst anzueignen – was im weiteren Verlauf einen Einflussverlust für Polen-Litauen im Osten bedeutete.

Vilnius, das heißt, sowohl die Stadt als auch ihre Bewohner, wurde in diesem Krieg zerstört, in Schutt und Asche gelegt und traumatisiert zurückgelassen. Es dauerte mehr als 5 Jahre bis Litauen sich wieder der Herrschaft in Vilnius bemächtigen konnte. Die Stadt erstand zwar mühsam neu, und zwar jetzt in barockem Styling, doch hatte sich etwas entscheidendes verändert: Die wesentlichen Machtsymbole des Landes, wie sie sich im architektonischen Bestand der Stadt ausgedrückt haben, waren durch den Krieg zu Bruch gegangen: der Großfürstenpalast, die Burg, sowie die im westlichen Umland von Vilnius gelegene Wasserburg Trakai und sie wurden von den Zeitgenossen auch nicht wieder aufgebaut.

Dafür entstanden zwei neue Gebäude, die etwas mit dem überstanden Krieg zu tun hatten, nämlich zwei Kirchen: Die eine stiftete der Feldherr und spätere Woiwode von Vilnius Michał Kazimierz Pac zur Erinnerung an die Rückeroberung von Vilnius, um sich letztendlich selbst damit in der Geschichte ein Denkmal zu setzen und so seiner eigenen Bedeutung Ausdruck zu verleihen. Die andere wurde als Wallfahrtskirche zur aktiven Pflege des Andenkens an den Krieg, die Zerstörung und den erfolgreichen Widerstand gegen die Moskowiter Besatzung errichtet. Beide Kirchen bekamen dann viel, viel später noch eine spezielle Bedeutung: Die Kirche des Woiwoden Pac, die etwas außerhalb des alten Stadtzentrums gelegene St. Peter und Pauls Kirche, nahm in der Zeit der Sowjetherrschaft den Sarkophag mit dem Landespatron auf und verkörperte damit gleichsam das Landesbewusstsein, weil der eigentliche Standort des Sarkophags – die Kathedrale von Vilnius – vom Sowjetsystem als Museum genutzt wurde.  Die Kirche zur Erinnerung an Krieg und Befreiung ist die im Norden von Vilnius gelegene Kalvarienkirche (Kirche von der Auffindung des Heiligen Kreuzes), auf die aus der Stadt ein Kreuzweg mit teilweise gemauerten Kapellen zuführte, bzw. wieder zuführt. Diese Einrichtung entwickelte sich zu einer bedeutenden Wallfahrt und daraus wurde nicht erst in der Sowjetzeit eine offen gepflegte Demonstration des Widerstands gegen Moskau. Die Sowjets verstanden die Botschaft und reagierten auf ihre Weise: sie sprengten einen Großteil der Kapellen. Das hielt die Menschen aber nicht davon ab, so zu tun, als wenn die Kapellen weiterhin existierten und den Kreuzweg weiter zu beschreiten. Nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit wurden die Kapellen wieder aufgebaut.

Mit anderen Worten: nach dem russischen Krieg Mitte des 17. Jahrhunderts gingen in Vilnius und Umgebung die Symbole der Macht zu Bruch und die Symbole des Widerstands erstanden. Damit wurde im architektonischen Bestand eine Entwicklung vorweggenommen, die sich in den realen Machtverhältnissen erst viel später abzuzeichnen begann. Es scheint, als ob im litauischen Unterbewusstsein bereits ein Verständnis dafür vorhanden gewesen wäre, was sich später in der greifbaren Wirklichkeit manifestieren würde. Wie auch immer, diese architektonische Realität prägte natürlich auch das Bewusstsein mit.

Damit ist die architektonische Symbolgeschichte aber noch nicht beendet: Im 20. und 21. Jahrhundert wurde das Ganze wieder umgedreht. Die Symbole der Macht entstanden neu und die Symbole des Widerstands verschwanden… nicht wirklich, aber sie wurden zumindest geschwächt. Geschwächt dadurch, dass zwar die Kirchengebäude nach wie vor vorhanden sind, aber die Institution Kirche nach der Unabhängigkeit ihre Bedeutung massiv eingebüßt hat und sozusagen auf westliches „Normalmaß“ zurechtgestutzt wurde. Dafür wurden die Machtsymbole neu errichtet: Noch tief in der Sowjetzeit entschied der litauische Parteiführer die Wasserburg Trakai wieder aufzubauen. Nicht das Wasser, aber Kremlherr Chruschtschow begann darüber zu schäumen und das Verhältnis Moskau – Vilnius geriet zumindest vorübergehend in eine beträchtliche Schieflage. Trotzdem blieb man in Litauen am Wiederaufbau dran und im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen von der Sowjetunion (1988 – 1991), wurde an zwei maßgeblichen Stellen mit offizieller Feier die litauische Flagge wieder aufgezogen: auf dem übriggebliebenen restaurierten Turm auf der Burg von Vilnius und auf der Wasserburg in Trakai. Nach der Unabhängigkeit entschied man sich dann, auch den verschwundenen Großfürstenpalast in Vilinius wieder aufzubauen. Nach langen, vorausgehenden archäologischen Untersuchungen konnte der neue, alte Palast im Kulturhauptstadtjahr 2009 eröffnet werden.

Alles nur reine Symbolik? Oder ein Fall von neuem, gar strategischem Selbstbewusstsein? Die US-Geostrategie ging seit den 1990er Jahren von der Annahme aus, dass man Russland dann entscheidend schwächen werde, wenn man Russland aus der Ukraine hinausdränge und die Ukraine in den Westen drehe. Russland werde dann kein europäisches Land mehr sein, sondern werde sich in zentralasiatischen Konflikten verbrauchen. Meinte zumindest sinngemäß der Gottvater der US-Geopolitik Zbigniew Brzezinski. So was klingt natürlich für Litauen und Polen verlockend: wenn Russland keinen Einfluss mehr in der Ukraine besitze, werde man wohl selbst dementsprechend mehr Einfluss haben. Das heißt, die Ergebnisse des russischen Kriegs Mitte des 17. Jahrhunderts – in dem man selbst an Einfluss in der Ukraine verlor und in dem doch auch der litauische Großfürstenpalast zerstört wurde – würden gewissermaßen wieder rückgängig gemacht werden. Und bei einem geschwächten Russland werde sich natürlich auch die Sicherheit des Baltikums erhöhen.

Allerdings ist es genau umgekehrt. In einem schwachen Russland werden die nationalistischen Kräfte gestärkt. Tatsächlich ist Russland durch die Ukrainekrise um einiges nationalistischer geworden. Sollten solcherart Kräfte durch eine weitere Schwächung Russlands auch direkt an die Macht kommen, dann können sich die Balten warm anziehen. Das Baltikum wird klarerweise nur dann sicher sein, wenn es ein starkes Russland gibt. Und die Sicherheit des Baltikums hängt auch von der Lage in der Ukraine ab. Nur eine starke Ukraine kann die allgemeine Lage stabilisieren.  Wie ernst es die Litauer übrigens mit ihrem Einflussdenken im Osten genommen haben, zeigte sich darin, dass sie nach dem Umsturz in der Ukraine (im Februar 2014) einen US-geeichten Litauer als Wirtschaftsminister in Kiew etablieren konnten und auch dessen Beraterstab stellten. Doch dieses ministerielle Expeditionskorps musste schließlich, genervt durch die politischen Realitäten vor Ort, seine Koffer packen und wieder nach Hause zurückkehren.

Wir bemerkten vorhin, Europa wird nur dann seine Position in der Welt halten, wenn es neu denken lernt. Neu denken, kann in diesem Zusammenhang ganz simpel heißen, zur Kenntnis zu nehmen, was ist: Die westliche Geo-Strategie oder was man eben dafür halten mag, hatte also eine Schwächung Russlands im Auge, unter anderem um es als Mitspieler in globalen Fragen zu verhindern. Der Hebel dazu sollte gerade auch die Ukraine darstellen und bei diesem Thema geht es in der Folge um die Halbinsel Krim. Ein Verlust der Krim würde Russland entscheidend treffen: Die Eroberung der Krim unter Katharina der Großen bildete eine wesentliche Grundlage zum Aufstieg Russland zur europäischen Großmacht. Daher spielt die Krim im historischen Bewusstsein des Landes auch eine wichtige Rolle. Bekannt ist, dass die Krim von Russland als strategisch wichtiger Kriegsmarinehafen genutzt wird, der den Zugang zum Mittelmeer sichert und über den die Seehandelsrouten freigehalten werden. Aber die Krim ist mehr als das. Sie stellt auch eine Art Schlussstein in der Sicherheitsarchitektur Russlands dar. Würde man diesen Stein herausziehen, fängt die ganze Konstruktion zu wackeln an. Auf Deutsch übersetzt heißt das: die Wahrscheinlichkeit für Konflikte mit Russland bzw. entlang seiner Grenzen würde steigen. Und das bedeutet wieder: die Zeiten werden noch unsicherer, als sie eh schon sind. Die Frage muss daher sein: Wer in der EU glaubt, dass ein solches Szenario für die Europäische Union von Vorteil sei, möge bitte aufzeigen! Im Jahr 2014 hätten da vermutlich noch eine Menge Leute aufgezeigt. Mittlerweile hat sich das Bild aber mitunter etwas geändert, denn die misslichen Erfahrungen, die eine plan- und kopflose EU in der Ukraine, sowie in und mit Syrien eingefahren hat, haben offenbar in Teilen ein Umdenken eingeleitet.

Seitdem scheint der französische Präsident Macron etwas Schwung in eine Neukonstituierung europäischer Sicherheitspolitik bringen zu wollen. Möglicherweise auch bedingt durch sein schlechtes innenpolitisches Image geht er außenpolitisch in die Offensive und präsentiert uns ein scheinbar altbekanntes Muster: U.a. wegen der Bedrohung durch Russland und China brauche die EU eine europäische Armee. So nach dem Motto: geht es dir im Innern schlecht, kommt ein Feind im Äußeren recht. Allerdings: der Vertreter des angesprochenen Bösen, Präsident Putin, meinte daraufhin – schulterzuckend zwar – aber doch, grundsätzlich sei der Vorschlag Macrons zu begrüßen und aus Peking war zu vernehmen: Also, wir sind keine Bedrohung. Macron präzisierte in seiner Rede im Deutschen Bundestag zum Deutschen Volkstrauertag am 18. November 2018 schon näher, worauf sein nicht ganz neuer Vorschlag hinausläuft: Die EU brauche mehr Souveränität und dürfe sich nicht mehr von den Großmächten als Spielball missbrauchen lassen, bzw., überhaupt aus dem Spiel herausdrängen lassen.

Nun, Macron hat in letzter Zeit viel darüber geredet, was aus der Geschichte zu lernen sei. Aber eine europäische Armee würde tatsächlich der Gradmesser dafür werden, was man aus der Geschichte gelernt hat: dient sie nur dazu, das imperiale Gehabe der EU zu verstärken – und darauf deuten wiederholt gemachte Aussagen hin – dann Europa: Gute Nacht! Denn zumindest das Bisschen sollte man doch aus der (europäischen) Geschichte gelernt haben: alle Imperien sind stets zuverlässig untergegangen… Macrons Ansätze zu mehr Souveränität scheinen darauf zu basieren, dass in Frankreich wahrscheinlich ein gewisses Unbehagen darüber spürbar geworden ist, dass man in außenpolitischen Fragen so sehr von angelsächsischen und transatlantischen Interessen abhängig geworden ist. Außerdem gibt es innerhalb der EU so manchen Unmut, was die Aufrechterhaltung der aufgrund der Ukrainekrise eingeführten Sanktionen gegen Russland angeht. Damit kommen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück: Litauen, sein Blick auf die Geschichte und die Idee von der europäischen Erhebung gegen Russland.

Litauen ist mit den anderen baltischen Staaten, Polen und Schweden einer der Hauptverfechter der Sanktionen, die in der EU erheblichen Schaden angerichtet haben. Zumindest wünschen darf man sich, dass die Litauer die Mahnung des Papstes, die Früchte der Geschichte zu ernten, auch umsetzen. Denn, so der Papst sinngemäß, damit würde man der Weltgemeinschaft und Europa einen großen Dienst erweisen. Das könnte zum Beispiel auch heißen, den Weg für die Aufhebung der Sanktionen freizugeben. Die Aufrechterhaltung der Sanktionen, die von den USA initiiert worden sind, stehen diametral entgegengesetzt gegen ein Konzept von mehr europäischer Souveränität. Wenn sich z. B. Litauen weiterhin gegen die Aufhebung der Sanktionen sperrt, wird es die Bruchlinien innerhalb der EU vertiefen und selbst auf lange Sicht dabei Gefahr laufen, ausgebremst zu werden.

Die These liegt natürlich auf der Hand: die Ukrainekrise und die damit verbundene Aufrechterhaltung der Sanktionen gegen Russland stehen in der Tradition der Idee der europäischen Erhebung gegen Moskau. Schließlich unterstützt die EU mit diesen Sanktionen – und mit viel europäischem Steuergeld – ein Land, nämlich die Ukraine, das bezüglich seiner Einbindung in Hitlers „Europäischen Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ bestenfalls ein diffuses Geschichtsbild entwickelt hat. Das EU-Führungspersonal sollte sich darüber klar werden, auf was es sich da, aus Sicht der historischen Erfahrung, eingelassen hat: eine solche Erhebung gegen Moskau hat bisher immer mit dem Untergang der Aufständischen geendet. Da dürfen wir uns ruhig an Gorbatschows Erkenntnis erinnern: Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte.

Litauen könnte daher aus seinen historischen und kulturellen Erfahrungen heraus eine aktive Rolle in der Gestaltung eines konstruktiven Umgangs zwischen West-, Mittel- und Osteuropa spielen, die das Land weitaus bedeutender machen würde, als es eigentlich ist. Aber es könnte einfach auch nur der Antrieb zum Selbstschutz sein, seine Politiken zu verändern, denn Litauen liegt nicht nur an der „Zonengrenze“, sondern sozusagen auch als Insel zwischen Russland. Russland ist in seinem Osten und in seinem Westen ist es auch. Kommt es tatsächlich zu einer militärischen Konfrontationssituation zwischen West und Ost, wird daher Litauen mit dem Baltikum von den Russen geschluckt werden, weil Russland eine Landverbindung zu seiner westlichen Enklave Kaliningrad herstellen wird. Daher sollte eigentlich, würde man meinen, in Litauen ein eminentes Interesse dafür da sein, Entspannungspolitik zwischen dem Westen und Russland zu entwickeln. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Was hindert Litauen daran, einen solchen pragmatischen und der eigenen Sicherheit verpflichteten Weg zu gehen?

Ganz wesentlich dabei: der Gedanke der europäischen Erhebung. Der hat sich nämlich in das litauische Selbstbild und Denken eingeschrieben. Die Anfangs beschriebene litauische Partisanenbewegung zu Kriegsende gegen die Sowjetunion, basierte, wie erwähnt, grundlegend auf diesem Gedanken des europäischen Aufstands. Die Erinnerung an diesen Partisanenkampf bildet eben einen wichtigen Teil des litauischen Selbstverständnisses. Und nicht nur das: der litauische Staat sieht in den Strukturen, die die Partisanen aufgebaut haben, die Fortführung eines unabhängigen litauischen Staatswesens. Die starke Erinnerung an den Partisanenkampf an sich ist selbst noch nicht das Problem. Zum Problem wird es erst dann, wenn man nicht die richtigen Fragen an die eigene Geschichte stellt. Dann bleibt man in der Vergangenheit hängen und kann seine Geschichte nicht für die Zukunft nützen. Die längste Zeit hat man diese Fragen nicht gestellt, zumindest was die öffentliche, auch museale Darstellung und Wahrnehmung der Geschehnisse betrifft. Da hat man einfach eine Geschichte von Heroismus und Opfermut erzählt.

Was man aber nicht ausgesprochen hat, sind solche Fragen wie: Wurde denn die Kriegslage und die internationale Lage richtig beurteilt? Hat man die eigenen Möglichkeiten realistisch eingeschätzt? Gab es eine Vorstellung darüber, was ein solcher Aufstand für das Land bedeutete. Wieso war man trotz der Aussichtslosigkeit des Aufstands bereit, einen solch hohen Preis dafür zu zahlen? Was für ein Denken ist da ins Land gezogen, dass man es als gerechtfertigt ansah, auch die eigenen Landsleute zu ermorden, weil diese unfreiwillig oder auch freiwillig, dem Sowjetsystem gedient haben, sei es z. B. als Bauern, als Lehrer, als Polizisten oder in direkterer Weise. Die Früchte ernten, wie es der Papst gesagt hat, heißt gerade auch, solche innerlitauischen Bruchlinien öffentlich und ohne Tabus aufzuarbeiten. So was verleiht der Gesellschaft eines Staates mehr Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Zukunftsorientierung und das würde auch Europa als Ganzes gut tun.

Ziel sei auch heute eine Welt, in der „das Tor der Barmherzigkeit immer offen steht“, sagte die litauische Präsidentin Grybauskaite zu Papst Franziskus bei dessen Besuch im September 2018. „Barmherzigkeit“, was soll denn das wieder heißen? Also, wie wäre es zum Beispiel mit Barmherzigkeit mit dem Feind, bzw. wen wir so dafür halten. Oder auch Barmherzigkeit mit sich selbst. Einen Feind zu haben, ist nämlich ziemlich anstrengend. Es ist der pure Stress. Statt dessen könnte man doch auch entspannen. So ist das Gegenteil von Entspannungspolitik nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Stress. Und andauernd Stress zu haben, hat noch niemand unbeschadet überstanden. Stress reibt auf und wird auch innerhalb einer EU, die aktiv ein Feindbild forciert, zu spürbaren Verschleißerscheinungen führen.

Daher wollen wir zum Schluss noch kurz einen Blick darauf werfen, was auf Litauen zukommen wird, wenn es mit dem notwendigen Stressabbau und der angesprochenen Barmherzigkeit nicht funktioniert.

Die westlichen Rituale der Eskalation werden letztendlich auf dem Rücken der baltischen Sicherheitsinteressen abgefeiert. Wie gesagt, wenn diese Rituale außer Kontrolle geraten, ist Litauen bzw. das Baltikum das erste Ziel einer Konfrontation zwischen West und Ost. Das Land kann nicht verteidigt werden, schon gar nicht von der NATO. Alle wissen das und trotzdem spielt man mit der Eskalation weiter, gerade auch in Litauen selbst.

Trotz ihrer gegenüber dem Papst ausgesprochenen Betonung des christlichen Glaubens – der angeblich etwas mit solchen Begriffen wie „Frieden“, „Nächsten-“ und „Feindesliebe“ zu tun haben soll – fiel die litauische Staatspräsidentin Grybauskaite bisher vor allem mit forschen Sprüchen gegenüber Russland auf und verlangte mehr Aufrüstung, was aber nur bedingt die allgemeine litauische Position darstellt. In jetzigen Regierungskreisen könnte man sich, was das Verhältnis zu Russland angeht, durchaus einen vorsichtig pragmatischeren Zugang vorstellen. Trotz dem Ruf nach Aufrüstung im Baltikum, der sich wohl vor allem an die NATO richtet, haben es die baltischen Armeen bisher nicht zu einer nennenswerten Zahl an schweren Waffen geschafft. Der Grund dafür liegt nicht nur in den baltischen Budgets, sondern eben in dem Wissen, dass man diese Gebiete nicht wirklich gut verteidigen kann. Das hat wesentlich mit der mangelnden „Tiefe“ dieser Länder zu tun. Russland z. B. wurde auch deshalb noch nie erobert, weil es eine enorme „Tiefe“ des Landes aufweist. Das heißt, die Russen können sehr viel Boden aufgeben und sich zurückziehen, ohne dabei ihr „Mütterchen Russland“ zu verlieren, aber der Angreifer läuft in die Leere und verbraucht sich in der so geöffneten Weite des Landes. Im Baltikum funktioniert das nicht. Machen da die Verteidiger drei Schritte zurück, stehen sie im Wasser der Ostsee. Dieser Erkenntnis folgend vertrauen baltische Strategen lieber den Erfahrungen aus dem Partisanenkampf nach dem Zweiten Weltkrieg als auf schwere Waffen.

Der zweite Grund, wieso die NATO-Mitglieder Litauen, Lettland und Estland kaum zu verteidigen sind, liegt darin, dass dieses Baltikum mit der übrigen NATO nur über einen schmalen Landkorridor verbunden ist, den die NATO Suwalki gap – also Suwalki Lücke – nennt. Der Suwalki gap bezeichnet jene NATO-Landenge zwischen Weißrussland und der russischen Exklave des Kaliningrader Gebiets, in dem Litauen und Polen aneinandergrenzen und die nach dem Hauptort der Gegend Suwalki benannt ist. Der Gap ist die Achillesferse der NATO. Russland kann den Gap von zwei Seiten unter Beschuss nehmen. Im Kalingrader Gebiet hat es effektive Abwehrraketen in Stellung gebracht, die eine Reichweite tief in den polnischen Luftraum besitzen und somit alles wegputzen können, was sich zu Luft dem Baltikum nähert. Zudem vermag Russland auch auf der Ostsee, die Zufahrt in das Baltikum zu torpedieren. Schlechte Aussichten also für Litauen und Co. Daher rechnen westliche Strategen damit, dass Russland zwei bis drei Tage brauchen wird, um das Baltikum zu durchqueren. Um trotzdem das subjektive Sicherheitsgefühl der Balten zu verstärken, verlegte die NATO jeweils ein Kampf-Bataillon in die drei baltischen Staaten und Polen und lobte diese Entscheidung anschließend als mit Augenmaß gefällt – als ein Mittelweg zwischen den Bedürfnissen des Baltikums einerseits und dem Versuch, Russland nicht übermäßig zu reizen. Doch das Augenmaß dürfte sich eher auf einen anderen Umstand beziehen: man will natürlich nicht mehr Soldaten den Kanonen zum Fraß vorwerfen, als unbedingt notwendig.

Die NATO-Werbeabteilung bemühte sich in den letzten Jahren redlich, der westlichen Öffentlichkeit klarzumachen, dass die unmittelbare Gefahr in der Luft liege, dass Russland über den schmalen Suwalki gap angreifen werde: na klar, Gelegenheit macht schließlich Diebe! Doch liegt denn der Fall wirklich so eindeutig, wie es die NATO-Strategen behauptet haben? Aufschlussreich ist da eine Untersuchung, die gerade 2018 von dem polnischen Brigadegeneral Ryszard Parafianowicz veröffentlicht wurde. „The military-geographical significance of the suwalki gap“ heißt die Arbeit und kommt u. a. zu folgenden Schlüssen: Obwohl der Suwalki gap in der Vergangenheit bisher nie Schauplatz signifikanter militärischer Auseinandersetzungen gewesen ist, lässt sich die Möglichkeit eines solchen Falles für die vorhersehbare Zukunft nicht ausschließen. Allerdings, der langen Rede kurzer Sinn: die Idee, dass Russland in nächster Zukunft den gap erobern werde, erscheint zweifelhaft.

Aha!

Und, schreibt Parafianowicz weiter, obwohl die russischen militärischen Kräfte im Kaliningrader Gebiet für Polen eine hypothetische Bedrohung darstellen, ist ihr Einsatz, um den gap abzublocken, zu bezweifeln. Im Original: „…the “Suwałki gap” in military-geographical terms is not a convenient area for military action. The principles of martial art explicitly deny the validity of leading an attack in such a territory.“ (S. 17)

Nun gut, wie würde also im Fall des Falles ein Angriff Russlands auf Litauen bzw. das Baltikum aussehen? Da muss man natürlich spekulieren. Wahrscheinlich ist, dass der Angriff schockartig erfolgt. Denn Schnelligkeit ist schließlich Trumpf. Weder die NATO noch die Soldaten vor Ort sollen die Möglichkeit bekommen sich zu organisieren.

Russland hat sich in den letzten Jahren intensiv mit den Möglichkeiten der Luftabwehr der baltischen Staaten „auseinandergesetzt“. Die Balten besitzen keine eigene Luftflotte, die Abwehr in der Luft wird von den NATO-Partnern organisiert. Hauptstützpunkt für die Kampfjets ist der Militärflughafen in Šiauliai, im mittleren Norden Litauens gelegen. Daneben wird noch ein Flughafen in Estland und einer im grenznahen Polen für die baltische Luftraumüberwachung genützt. Je nachdem wie Russland die Möglichkeiten der NATO Luftabwehr in Litauen einschätzt, wird sich ein erster Schlag mehr oder weniger heftig gegen Šiauliai richten. Die Stadt hat aufgrund ihrer strategischen Lage schon in früheren Kriegen massiv gelitten und wird auch Ziel eines nächsten Krieges sein.

Wenn Russland eine Gegenwehr ausschließen möchte, muss es, wie gesagt, schockartig vorgehen, weil sich sonst die litauische Armee nach Art der Partisanen wieder im Untergrund formieren wird. Das Problem ist, dass der Westen, die Möglichkeiten, die Russland dabei hat, nur schwer einschätzen kann. Russland hat einen Vorsprung was die elektronische, radioelektronische und elektromagnetische Kriegsführung angeht. Die NATO und vor allem die USA hinken auf dem Gebiet der elektronischen Kriegsführung hinterher. Elektronische Kriegsführung hat nichts mit Cyber-Krieg zu tun, sondern basiert auf der Erkenntnis, dass fast alles moderne Gerät auf Basis elektronischer Steuerung funktioniert, die man außer Kraft setzen kann. Zudem können unerwartete elektronische Effekte erzeugt werden. Dadurch ergeben sich für eine Armee neue Möglichkeiten. Mit anderen Worten, die Kriege der Zukunft werden mittels elektronischer Tricks entschieden, es sei denn, man setzt auf biologische und chemische Kriegsführung. Der Westen ist im Moment auf ein elektronisches Kriegsszenario nur unzureichend vorbereitet… Das geht sogar so weit, dass sich die USA nicht mehr sicher sein kann, ob der Raketenschutzschild, den man gegen Russland installiert hat, noch funktionstüchtig bleiben wird. Im Idealfall könnte sogar durch elektronische Kriegsführung eine tatsächliche kriegerische Auseinandersetzung vermieden werden, denn das Pferd lahmt, noch bevor es der Reiter bestiegen hat.

Die Möglichkeiten, die man bei der elektronischen Kriegsführung hat, werden scheinbar nur durch mangelnden Erfindergeist begrenzt. Russland setzt diverse elektronische Tricks bereits in Syrien ein und die USA sind, wie es scheint, damit überfordert. Russland hat eine ganze Palette an verschiedenartigen Störsendern entwickelt, arbeitet an der Möglichkeit, Nachrichten und Kommunikationssatelliten lahmzulegen und ist wahrscheinlich bereits in der Lage, das GPS-System anzugreifen, mit deren Hilfe u.a. Flugzeuge und Waffensysteme gesteuert werden. Und Russland kann bezüglich elektronischer Kriegsführung noch eine Menge weiterer „cooler“ Sachen: z. B. ihre eigenen Flugzeuge elektronisch unsichtbar (laut Hersteller) und teilweise unangreifbar machen. Diese Technik dürfte bei der Überführung der russischen Kampfbomber nach Syrien verwendet worden sein.

Es wird gemunkelt, dass die Russen im Jahr 2015 bei einem NATO-Manöver in Litauen die gesamte technische Kommunikation der eingesetzten Truppen mittels mobiler Störsender lahmgelegt hätten. Die Befehlshaber des Manövers hätten daraufhin, wie in alten Zeiten, Melder losschicken müssen, um ihre Befehle den verschiedenen Truppenteilen zu übermitteln. Diese heutzutage nicht mehr sehr effektive Art der Kriegsführung habe so manchem NATO-Commander die Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Tatsächlich scheint die USA mit ihren Verbündeten im Moment nicht wirklich darauf vorbereitet zu sein, Kriege unter der Bedingung des Ausfalls der Kommunikationsverbindungen zu führen. Die Möglichkeiten, die sich Russland auf dem Gebiet der elektronischen Kriegsführung sowie der High-Tech Waffensysteme erarbeitet hat, machen offenbar auch Hardliner in den USA unsicher, da die im Westen schon lange schwelende Idee, Russland werde sich gegen einen Erstschlag nicht substanziell zur Wehr setzen können, zunehmend zerbröselt. Daher geht Russland auch so offen mit seinen Errungenschaften auf dem Gebiet der Wehrtechnik um.

Unter all diesen Bedingungen wird Litauen im Falle einer militärischen Auseinandersetzung ziemlich alleine dastehen, genau wie damals im Partisanenkampf. Russland würde also voraussichtlich mit einer Kombination von dreierlei Kampfmitteln angreifen: mit herkömmlichen Schießgerät, mit der Störung der elektrischen Anlagen und von elektronischen Steuerungen und der Störung der Kommunikation. Diese Kombination würde unter den Litauern wahrscheinlich so viel Chaos und Orientierungslosigkeit auslösen, dass es unmittelbar für die litauische Armee unmöglich sein würde, eine effektive Gegenwehr zu leisten oder auf Basis der Partisanenerfahrungen eine geordnete Struktur im Untergrund herzustellen. Doch selbst, wenn es nach einer gewissen Phase der Beruhigung möglich werden könnte, sich im Untergrund zu organisieren, sollte man sich keine allzu großen Hoffnungen machen: Russland hat gerade in Syrien eine Menge Erfahrung in der Führung eines sog. asymetrischen Krieges gemacht und die Waffen, die dabei eingesetzt worden sind, würden einer neuen litauischen Partisanengeneration kaum noch Chancen lassen.

Nachbemerkungen:

Die von dem Woiwoden und Feldherrn Michał Kazimierz Pac im Vilniuser Stadtteil Antakalnis zur Erinnerung an die Vertreibung der Russen (aber auch als Dank für die Errettung vor den eigenen meuternden Soldaten) gestiftete Kirche St. Peter und Paul gilt als Schmuckkästchen des litauischen Barock. Äußerlich unscheinbar, entfaltet sie im Inneren eine ganz spezielle Pracht, denn sie ist mit einem reichen Figurenschmuck ausgestattet, der verschiedene biblische, historische und anonyme Gestalten, sowie Pflanzen, Tiere, diverse Gegenstände etc., etc. darstellt. Die Figuren, die oft quer durch den Kirchenraum korrespondieren, d. h. in Beziehung zueinander gesetzt sind, sind im Sinne eines Welttheaters angeordnet, dem niemand geringerer als Gott persönlich von der Kuppel aus zusieht. Der Bau steht an der Stelle einer hölzernen Vorgängerkirche, die im russischen Krieg zerstört worden ist und die wiederum an Stelle eines heidnischen Heiligtums erbaut worden sein soll. Der Bau wurde von Jan Zaor begonnen und von Gianbattista Frediani weitergeführt. Der Innenschmuck wurde unter der Leitung der Bildhauer Perti und Galli angefertigt. Pac hat die Vollendung der Kirche nicht mehr erlebt und ließ sich unter der Schwelle der Kirche begraben – man trampelt also über ihn hinweg –, mit dem demütigen Hinweis auf seinem Grabstein: „Hier liegt ein Sünder“. Da die Kirche sowohl von polnischen als auch von litauischen Katholiken genützt wird und daher ziemlich oft darin Gottesdienste stattfinden, kann sich eine Besichtigung als manchmal schwieriges Unterfangen darstellen.

Die zweite erwähnte Kirche, die früher als wichtiges Wallfahrtsziel genutzte Kalvarienkirche liegt in Vilnius an der alten Ausfallsstraße nach Norden die dementsprechend Kalvarienstraße heißt und dort in ein vorgestelltes Jerusalem (litauisch: Jeruzalė) führt, durch das ein Bächlein fließt, das man auch ganz fromm biblisch Kidron nennt. Die Kalvarienstraße schneidet dabei eine ehemals jüdische Vorstadt, an deren Rand sich einer der bekanntesten Märkte der Stadt herausgebildet hat, der vermutlich gerade für die Wallfahrer zur Kalvarienkirche interessant gewesen ist: der Kalvarienmarkt. Der Markt war fest in jüdischer Hand.

Der Großfürstenpalast von Vilnius – ein kulturelles Zentrum in Mittel-Osteuropa – wurde wie erwähnt im russischen Krieg Mitte des 17. Jahrhunderts schwer beschädigt und verfiel (obwohl später noch teilweise bewohnt) zusehends. Nach den polnischen Teilungen rissen die Russen, die jetzt die neuen Herrn von Vilnius waren, den Palast vollständig ab, da er seine Funktion verloren hatte und im Weg stand. 2002 beschlossen die Litauer den Palast wieder aufzubauen, nachdem zuvor jahrelang die Archäologen auf dem Grundstück herumgebuddelt hatten. Der Palast sollte bis zum Jahr 2009 – dem 1000jährigen Jubiläum der ersten schriftlichen Erwähnung Litauens – wiedererstehen, und so ist es dann auch geschehen. Dieses Jubiläum wurde zugleich mit Vilnius als europäische Kulturhauptstadt gefeiert.

Großfürstenpalast in Vilnius in Rekonstruktion: von vorne…
… und von hinten.


lebensnahe Darstellung in der von Michał Kazimierz Pac gestifteten Kirche St. Peter und Paul


auf dem Weg zur Kalvarienkirche: Detail aus dem Kalvarienmarkt – es handelt sich dabei nicht um Devotionalien…



… und das Ziel der Wallfahrer: die Kalvarienkirche.

Die Rechte für alle Fotos liegen beim Autor. Eine Verwendung ist unter Angabe der Quelle möglich.
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Guter Österreicher, Schlächter Österreicher

Die österreichische Öffentlichkeit erlebte im Frühjahr dieses Jahres 2018 einen kleinen Vergangenheitsbewältigungs-Hype, als der österreichische Filmregisseur Christian Frosch seine neueste Arbeit „Murer – Anatomie eines Prozesses“ beim Grazer Filmfestival Diagonale vorstellte. In diesem Film geht es um den Gerichtsprozess im Jahre 1963 in Graz gegen den österreichischen NS-Funktionär Franz Murer.

Der Landwirt Franz Murer aus der Obersteiermark wurde von der Geschichte in die Rolle des NS-Ghettokommandanten von Vilnius gespült und dort als „Schlächter von Vilnius“ ein Begriff.  Oder besser gesagt: er wurde kein Begriff, denn in Österreich klappte man diesbezüglich das Buch der Geschichte schon relativ bald nach dem Krieg wieder zu und ließ die Sache auf sich beruhen. Murer wurde zu einem anerkannten Landwirtschaftsfunktionär der Österreichischen Volkspartei in der Obersteiermark und als der “Nazijäger“ Simon Wiesenthal es schaffte, ihn trotzdem 1963 in Graz vor Gericht zu bringen, endete das Ganze mit einem Freispruch Murers – trotz der erdrückenden Beweislage für die von ihm im Ghetto von Vilnius verübten Verbrechen. In der Steiermark war der Jubel über den Freispruch groß, so groß wie anderorts die Verwunderung über diesen Prozessausgang. „Guter Österreicher, Schlächter Österreicher“ weiterlesen

Der Gast im Bundestag und seine Heilige (= Deutschland und Russland 2)

Im Deutschen Bundestag zu Gast gewesen ist einst Herr P.
Herr P. stammt aus L. und lebt in M..
Von Beruf ist Herr P. Zar.
Jeden Morgen wacht Herr P. auf, krault seine Hunde, springt kopfüber ins Swimmingpool, frühstückt weiche Eier und trinkt Russischen Tee.
Das klingt irgendwie bereits verdächtig:
Was macht er? Er verspeist Weicheier und säuft Russischen Tee? Mit Milch übrigens.
Dann geht P. in sein Zarenbüro im Kreml.
Sein Arbeitstag beginnt immer mit dem Hacken von e-mail-Accounts.
Folgend manipuliert er Wahlen im In- und Ausland und anschließend schickt er seine Soldaten in fremde Länder, in denen die nichts zu suchen haben.
Eine spannende Tätigkeit also.
Allein in ein Land, das namentlich ungenannt bleiben möchte, marschierte seine Armee – so wird zumindest kolportiert – binnen Jahresfrist mehr als 30 mal ein. Wie so was geht? Ja, keine Ahnung.
Aber, wie gesagt, nichts genaues weiß man nicht.

Wenn Herr P. nicht gerade den oben beschrieben Tätigkeiten nachgeht, hält er Reden. Verfolgt man P.s Auftritte in der Öffentlichkeit seines Landes, fällt auf, dass die Stimmung unter seinen Zuhörern oft richtig gut ist.
Seine Gegner werden halt erst gar nicht hingehen.

Eine dieser Reden hielt P. als noch sehr junger Zar gar – eigentlich unvorstellbar – im Gral (na ja) deutscher Politik: im Deutschen Bundestag.
Sieht man sich heutzutage diesen Auftritt vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen internationaler Politik nochmals an, fühlt man sich in eine Art Satireveranstaltung hineinversetzt.
Werfen wir also noch einmal kurz einen Blick auf dieses historische Ereignis:
Was sagte P., der die längste Zeit der Rede auf Deutsch sprach, und bei welchen Stellen applaudierten die zuhörenden Damen und Herren Abgeordneten.
Übrigens waren das deutsche Abgeordnete. P. hatte nicht etwa seine eigenen…
Im Verlauf dieser Rede P.s stoßen wir dann auch auf diese Heilige, die im Titel erwähnt ist. „Der Gast im Bundestag und seine Heilige (= Deutschland und Russland 2)“ weiterlesen

Vom doppelten Klang eines Namens: Neringa

Klang Nr. 2: das Cafe

Neringa – eine poetische Bezeichnung für die Kurische Nehrung: Die schlanke Landzunge, die sich, von der Nordküste des Kaliningrader Gebiets aus durch das weite Wasser in den Norden erstreckt – wie eine dem Festland vorgelagerte Sandbrücke, die bis vor die Tore der litauischen Hafenstadt Klaipeda reicht. Dieses, rund 100 Kilometer lange, schmale Land ist in der südlichen Hälfte ein Teil Russlands und in der nördlichen ein Teil Litauens, bleibt aber doch ein großes Ganzes.

Laut litauischer Sage wurde die Kurische Nehrung von einer blond bezopften Riesin namens Neringa erschaffen, die so schön und gütig wie groß war. Sie hatte viele Freier, doch keiner taugte in ihren Augen, bis schließlich doch noch der Eine kam… Auf jeden Fall galt es die Küstenbewohner vor den alles verzehrenden Sturmfluten der Ostsee zu schützen, die der Wellengott geschickt hatte. Neringa schritt zur Tat, schüttete kurzerhand vor der Küste einen Damm aus Sand auf und rettete so den Fischern (und ihrem Auserwählten) Leben, Hab und Gut. Tatmotiv war eindeutig Liebe. So inspiriert, lebt der Name Neringa in Litauen auch als weiblicher Vorname weiter.

Die Kurische Nehrung ist tatsächlich ein heikles, wie schönes Gebilde, das sich aus dem Zusammenspiel von Wind, Wasser, Sand und Pflanzenwelt geformt hat. Es reagiert sensibel auf jeden Eingriff. Der Mensch der Neuzeit brauchte fast ein halbes Jahrtausend, um mit diesem Umstand umgehen zu können.

„Vom doppelten Klang eines Namens: Neringa“ weiterlesen

Vom doppelten Klang eines Namens – Klang Nr.1 : die Halbinsel

Beginnen wir so:
Schützke fragt: Wer schrieb‘ s ?
Und: welche Gegend wird denn hier beschrieben?

A) Der Schriftsteller:
„Dem Gestade der See unfern liegt das Stammschloß der Freiherrlich von R..schen Familie… Die Gegend ist rauh und öde, kaum entsprießt hin und wieder ein Grashalm dem bodenlosen Triebsande, und statt des Gartens, wie er sonst das Herrenhaus zu zieren pflegt, schließt sich an die nackten Mauern nach der Landseite hin ein dürftiger Föhrenwald, dessen ewige, düstre Trauer den bunten Schmuck des Frühlings verschmäht, und in dem statt des fröhlichen Jauchzens der zu neuer Lust erwachten Vögelein nur das schaurige Gekrächze der Raben, das schwirrende Kreischen der sturmverkündenden Möwen widerhallt. Eine Viertelstunde davon ändert sich plötzlich die Natur. Wie durch einen Zauberschlag ist man in blühende Felder, üppige Äcker und Wiesen versetzt. Man erblickt das große, reiche Dorf mit dem geräumigen Wohnhause des Wirtschaftsinspektors. An der Spitze eines freundlichen Erlenbusches sind die Fundamente eines großen Schlosses sichtbar, das einer der vormaligen Besitzer aufzubauen im Sinne hatte. Die Nachfolger … ließen den Bau liegen, und auch der Freiherr Roderich von R., der wiederum seinen Wohnsitz auf dem Stammgute nahm, mochte nicht weiter bauen, da seinem finstern, menschenscheuen Wesen der Aufenthalt in dem alten, einsam liegenden Schlosse zusagte.

B) Ein Brief des Naturforscher:
„Das charakteristischste dieser Unnatur, was ich gesehen, ist diese Halbinsel, auf der wir 4 -5 Tage gelebt… Wenn Schinkel dort einige Backsteine zusammenkleben liesse, wenn ein Montagsclub, ein Cirkel von kunstliebenden Judendemoiselles und eine Akademie auf jenen mit Gestrüppe bewachsenen Sandsteppen eingerichtet würde, so fehlte nichts, um ein neues Berlin zu bilden, ja, ich würde die neue Schöpfung vorziehen, denn die Sonne habe ich herrlich auf der Halbinsel sich in das Meer tauchen sehen. Dazu spricht man dort, wie du weisst, rein Sanscrito…“

C) Der Reiseschriftsteller
„ „… Als Pfarrer Schwarz 1782 in den Ort kam, befanden sich daselbst noch 15 Feuerstellen (ungefähr eben so viele als 50 Jahre vorher.) Auch die im Jahre 1738 erbaute Kirche stand noch (Anm. M. Schü.: das Gebiet war evangelisch). Es muß eben das Verderben schnell hereingebrochen sein. Am 3. Apri l 1786 schreibt Pfarrer Schwarz an den Erzpriester Leppach:
„Ew. Hochehrwürden muß ich den verderbten Zustand der hiesigen Kirche gehorsamst hinterbringen. Die Anlage zu ihrem gegenwärtigen Untergange ist schon längst vor meiner Zeit durch die aus Abend und Norden stürmenden Winde…gemacht worden. Daher hat man sich auch damals genöthigt gesehen, die Mittagseite derselben mit Stützen zur Sicherheit und Widerstande des aus Norden und Westen andringenden Verderbens zu unterstützen. Zu meiner Zeit ist diese alte gestützte Kirche durch den immer mehr und mehr überhand genommenen Sand dergestalt angegriffen worden, daß sie zu ihrem völligen Ruin hat hinzueilen müssen. Ew. Hochehrwürden wissen, …daß sich die ganze Abendseite so weit herunter senken mußte, als ihr der Sand es erlaubte… So verloren wir doch das Licht, das von dieser Seite in die Kirche fiel… Durch die häufige, zu mancher Zeit viele Tage nach einander, anhaltende, starke Stürme aus Nordosten, (ist) die Vermehrung des Sandes so befördert worden, daß nunmehr nicht allein die Abendseite, sondern auch die Nordseite bis oben an das Dach damit angefüllt sind, wodurch uns abermal ein ganzes Licht von dieser Seite genommen ist. Und da das Glockenthürmchen, wodurch der Eingang in die Kirche geschehen muß, auf derselben nördlichen Seite sich befindet…so haben beide, sowohl das Thürmchen als auch die Thür zum Eingange in die Kirche, gleiches Schicksal gehabt. Der Sand hat sich darinnen dicht und hoch an die Eingangsthür hart gelagert. Dadurch ist uns der Eingang in die Kirche recht schwer gemacht worden. Denn wir müssen nicht allein krumm und gebückt unter dem Glockenthurm beinahe wegkriechen und uns in die Kirche hineinwinden, sondern wir stehen denn alsdann auch in empfindsamer Besorgniß, den Untergang der Kirche auf unsere Häupter zu fühlen… Es wird nun zwar alle Mühe von den Kirchspielsleuten angewandt, …den plötzlichen Einsturz nach Möglichkeit zu steuern. Aber …was heute gebessert ist, ist morgen schon unverbesserlich. Bei dieser Kirche ist alle Mühe und Arbeit umsonst und verloren…. Ihr Ende ist da. Ach daß sie nur nicht ihr Ende zu unserm Schrecken und mit unserm Schaden nehmen möchte.“
Infolge dieses Berichtes und des vom Erzpriester Leppach vom 21. April 1786 wurde der Landbaumeister Braun beauftragt, die Sicherung des noch brauchbaren Holzes von der alten Kirche zu veranstalten, auch einen schicklichen Ort zu einer neuen Kirche auszusuchen…
Schon am 3. Juni berichtet aber Leppach, daß der Pfarrer Schwarz, „der seit einem halben Jahr über eine starke Entkräftung und Engbrüstigkeit geklagt, nachdem er noch Dom. Exaudi gepredigt hat, den 31. Maji in einem Alter von 53 Jahren und nach einer beinahe vierjährigen treuen Amtsführung das zeitliche mit dem ewigen verwechselt hat.“
Er war offenbar dem scharfen Klima erlegen. Von ihm heißt es in einer privaten Aufzeichnung: „starb 1786 und ist in einem großen Sandberge begraben.“
Der Dünenwall rückte immer näher an das Dorf heran…. “ “

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Die Muttergottes und der Osten

Die Verehrung der  Muttergottes Maria spielt in Mittel- und Osteuropa eine wichtige Rolle im Selbstverständnis der jeweiligen Völker. Gleichwohl hat diese Gemeinsamkeit der Verehrung in der Vergangenheit nicht dazu geführt, dass sich – wie man annehmen könnte – die Beziehungen der Völker zueinander gebessert haben. Eher das Gegenteil.     Es ist also kein Zufall, wenn dieser Beitrag an die vorangegangene Serie über die Europastraße 30 anknüpft, die wir „Brücken und Gräben“ genannt haben und in dessen 3. Teil die Muttergottes unerwähnter Weise eine nicht unwichtige Rolle gespielt hat.

„Die Muttergottes und der Osten“ weiterlesen

Brücken und Gräben Teil 3

Von Cork bis nach Moskau. Das ist die Europastraße 30 (E30), die wichtigste West – Ost Straßenverbindung des Kontinents. Wir befahren sie ausgehend vom irischen Cork Richtung Osten. In Teil 2 machten wir zuletzt Station in der weißrussischen Grenzstadt Brest. Dort wurden wir Zeuge der Eroberung der sowjetischen Festung Brest durch die Truppen Nazi-Deutschlands Ende Juni 1941. Mit diesem Überfall des Deutschen Reichs auf die Sowjetunion wurde aus dieser Straßenverbindung von West- und Osteuropa ein riesiger Graben, der bis heute nicht vollständig überbrückt ist. Auf der Fahrt von Brest weiter nach Osten wird man unwillkürlich mit der noch immer offenen Frage konfrontiert: Sind wir fähig aus Geschichte zu lernen? Mal sehen, was die E30 für Antworten darauf bereit hält:

„Brücken und Gräben Teil 3“ weiterlesen